Regenwassernutzung

 

Nutzwasser für die Klosettspülung

Bei Untersuchungen wurde festgestellt, dass es aufgrund von Tröpfchenbildung und "Sprüheffekten" beim Spülvorgang und dem Kontakt des Sprühnebels oder der Tröpfchen mit offenen Hautstellen zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung kommen kann. Klosettspülwässer, die keine entsprechende Qualität aufweisen (frei von Fäkalkeimen); dürfen daher erst nach sorgfältiger Abwägung der Risiken eingesetzt werden.

 

Nutzwasser als Waschwasser

Für die Zwecke des Wäschewaschens ist die Verwendung von Nutzwasser nicht zu empfehlen. Durch die chemische Beschaffenheit des Nutzwasser kann es während des Waschvorganges zu Verfärbungen der Wäsche kommen. Bei erhöhter mikrobiologischer Belastung des Nutzwassers (Staubbelastung, Vogelkot, Fäkalkeime im Grundwasser etc.) kann der Spülvorgang zu einer mikrobiologischen Belastung der Wäsche führen.

 

Nutzwasser für die Gartenbewässerung

Für die Gartenbewässerung ist Nutzwasser grundsätzlich geeignet. Dabei ist zu bedenken, dass zum Verzehr bestimmte Pflanzen (z.B. Beerenobst, Salat) vor der Ernte nur mit Wasser, das in mikrobiologischer Hinsicht zumindest Badewasserqualität aufweist, bewässert werden sollten. Bei Nutzwasser ist auf die Pflanzenverträglichkeit zu achten (siehe ÖWAV-Empfehlung "Bewässerungswasser"). Bei der Verwendung von mikrobiologisch verunreinigtem Nutzwasser zur Beregnung ist auf die Gefährdung insbesonders von Kindern zu achten.

 

Entlastung des öffentlichen Trinkwasserverteilsystems

Nutzwasseranlagen senken nicht den Wasserverbrauch, sondern bedeuten eine Substitution (ein Ersetzen) des Trinkwassers durch Nutzwasser.

Eine Entlastung des öffentlichen Trinkwassersystems durch Nutzwassersysteme im Haushalt, z.B. Nutzung von Dachablaufwasser, ist gerade in Spitzenverbrauchszeiten nicht gegeben, da in längeren Trockenperioden die mit Nutzwasser versorgten Anlagen mit Trinkwasser der öffentlichen Anlagen gespeist werden müssen. Bereits in Zeiten mit durchschnittlichem Verbrauch kann es im öffentlichen Leitungsnetz durch die Reduzierung des Wasserverbrauches zu Stagnationen kommen, was erhöhten Aufwand und Wasserbedarf für Rohrleitungsspülungen erfordert und den Einspareffekt für Trinkwasser ad absurdum führt.

Etablieren sich darüber hinaus im größeren Stil Nutzwassersysteme, könnte der verringerte Trinkwasserbedarf unter Umständen dazu führen, dass gebietsweise der Schutz des Grundwassers als Trinkwasser aufgegeben würde, Die damit einhergehende nachhaltige Abwertung hochwertiger Trinkwasserressourcen ergebe einen volkswirtschaftlichen Schaden. Solche Vorbehalte treffen speziell auf zentrale Nutzwassersysteme zu.

 

Versickerung von Niederschlagswässern

Maßnahmen, die Niederschlagswässer auf möglichst kurzem Weg dem natürlichen Kreislauf wieder zuführen, sind anzustreben. Die Versickerung von Niederschlagswässern über die belebte Bodenschicht (Versickerungsanlagen, Grünflächen) soll aus ökonomischer und ökologischer Sicht immer den Vorrang vor anderen Nutzungsformen haben. Auf diese Weise wird ein Beitrag zur Auffüllung der natürlichen Trinkwasserspeicher geleistet und die natürliche Reinigungskraft bei der Bodenpassage ausgenutzt.

 

Wirtschaftliche Überlegungen (ökonomische Aspekte)

Die Wirtschaftlichkeit muss für jede Nutzwasseranlage gesondert überprüft werden. Sie hängt im Wesentlichen von folgenden Randbedingungen ab:

  • Anlagekosten - Investitionen
  • Anlagekosten - Betrieb
  • Wasserbezugspreis
  • Verfügbares Wasserangebot - Nutzbare Niederschlagsmenge oder Grundwasserangebot oder Oberflächenwasser
  • Verfügbarkeit von Trinkwasser in ausreichender Menge (Streulagen)
  • Wassergewinnung
  • Speicherung
  • Drucksteigerung (meist erforderlich)
  • Getrenntes Versorgungsnetz

 

Nutzwassersysteme müssen lt. ÖNORM B 2531 vom Trinkwassersystem vollkommen getrennt sein (duales System). Auslaufhähne aus Nutzwassersystemen sind gegen die irrtümliche Entnahme als Trinkwasser zu sichern. Selbst Verbindungen von Trinkwasserleitungen verschiedener Versorgungssysteme sind unzulässig.

Fehlverbindungen bei der Errichtung und im Betrieb zweier getrennter Systeme für Trink- und Nutzwasser im Haushalt können nicht ausgeschlossen werden.

Grundsätzlich bietet lediglich ein freier Auslauf von der öffentlichen Versorgung in einen Zwischenbehälter unmittelbar nach der Messeinrichtung gegen eine mögliche bakteriologische Verunreinigung ausreichend Sicherheit gegen Rückfluss von Nutzwasser in das öffentliche Versorgungsnetz.

Rückflussverhinderer bieten dagegen wegen möglicher Funktionsstörungen keinen ausreichenden Schutz gegen Rückfließen. Der freie Auslauf ist jedoch für den Abnehmer mit dem Nachteil verbunden, dass der im öffentlichen Netz herrschende Versorgungsdruck durch den Auslauf in den Zwischenbehälter abgebaut wird und beim Abnehmer mittels Drucksteigerungsanlage mit zusätzlicher Energie wieder aufgebaut werden muss.

Eine Kostenersparnis bei Betreibung eines Nutzwassersystems ist nur dann zu erwarten, wenn das Nutzwasser zu erheblich günstigeren Bedingungen gewonnen werden kann und beide Leitungssysteme ausreichend ausgelastet werden. Die Instandhaltungskosten, die einen bedeutenden Kostenfaktor beim Betrieb einer Wasserversorgung darstellen, würden sich jedoch wesentlich erhöhen.

Die Abnahme von Nutzwasser ist beim Konsumenten nur dann gegeben, wenn damit ein erheblicher Preisvorteil verbunden ist. Wie Modellrechnungen belegen, müsste der Preis für Trinkwasser jedoch weit über dem Nutzwasser liegen, um die Finanzierung eines eigenen Nutzwassersystems sicherstellen zu können.

 

Kostenreduktion im Haushalt:

Die Substitution von Trinkwasser wird vielfach als "Trinkwassersparend" deklariert und mit verminderten Kosten für Trink- und Abwasser in Zusammenhang gebracht. Bei Abwasser wird jedoch weder die Menge des Abwassers, noch wird die Schmutzfracht vermindert. Ein geringerer Trinkwasserverbrauch bedeutet, dass die Kosten der Wasserversorgung (Fixkostenanteil am Wasserpreis bis zu 90 %) auf eine kleinere verkaufte Wassermenge umzulegen sind. Ergebnis sind höhere spezifische Kosten d.h. höhere Wasserpreise pro m³.

Wasser „sparen“ kann also den Wasserpreis erhöhen!

 

Ökologische Aspekte

Die Errichtung einer eigenen Nutzwasserversorgungsanlage zieht einen erhöhten Rohstoffverbrauch und zusätzliche Schadstoffemissionen bei der Erzeugung der Materialteile und Errichtung der Anlage nach sich.

Nach Ablauf der Nutzungszeit (erforderliche Erneuerung der Anlage) ergibt sich das Problem der Abfallbeseitigung. Durch die notwendige Doppelgleisigkeit Trinkwasser/Nutzwasser kommt es dadurch zwangsweise zu einem verstärkten Anfall von Abfall.

Getrennte Systeme führen zu keiner Verringerung des Wasserbedarfes.

 

Hygienische Aspekte

Durch verringerten Verbrauch von Trinkwasser und Stagnation des Wassers in den Rohrleitungen besteht die Gefahr der Wiederverkeimung und der vermehrten Bildung von Korrosionsprodukten.

Um unerwünschte Stoffe nicht in den Wasserkreislauf zu bringen, müssen auch beim Nutzwasser bestimmte Qualitätsanforderungen, die oft nur durch Desinfektion oder Aufbereitung erreicht werden können, eingehalten werden.

 

ZUSAMMENFASSUNG / FAZIT

Die Überlegung einer Nutzwasseranlage sollte nur in jenen Gebieten erfolgen in denen einwandfreies Trinkwasser Mangelware ist!

Nutzwasser ist in seiner mikrobiologischen Qualität oftmals unzureichend und daher ohne entsprechende Desinfektion im Haushalt nicht einsetzbar. Insbesondere bei Dachablaufwasser ist zu beachten, dass verschiedene Vogelarten eine Reihe von auf den Menschen übertragbare Infektionserreger ausscheiden und auch übertragen können.

Die Verwendung von Nutzwasser beschränkt sich auf wenige Verwendungsarten, die max. 30 % des Wasserbedarfes abdecken. Der nachträgliche Einbau einer zweiten Hausinstallation in bestehende Gebäude ist schwierig und kostenintensiv. 

Im gesamten Bereich eines Dualsystems besteht sowohl bei Versorgungs- als auch Hausanschlussleitungen die Gefahr von Fehlverbindungen. Die Kennzeichnung der beiden Leitungssysteme ist wegen der Verwendung gleicher Rohrmaterialien schwer möglich.

 

Bevor eine Nutzwasserverwendung gedacht wird, sollten die Wassersparpotentiale des Haushaltes ohne wesentliche Kosten ausgenutzt werden, wie z. B.:

  • Wassersparende WC-Spülanlagen und Armaturen
  • Regelmäßige Kontrolle auf Dichtheit der gesamten Inneninstallation
  • Duschen statt Baden
  • Bei Neuanschaffungen von Geräten auf den Wasserbedarf achten
  • Bewässerung des Gartens reduzieren

Beispielsweise von der Dachablaufwassernutzung einen erheblichen Beitrag zur Verringerung des Trinkwasserbedarfes zu erwarten, wäre verfehlt.

 

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